«zur ÜbersichtFriday, 23. June 2006

Hanstedt I hat uns wieder !!!

[Katrin:] Am 23.06. saßen wir also endlich auf unseren Bikes und kämpften uns bei Hitze durch den dicken Moskauer Verkehr bis wir schließlich die Landstraße in Richtung Ukraine unter den Reifen hatten.

 

Immer noch plagte uns das mulmige Gefühl, ob sich wegen der geprellten 200 Euro bei Olga noch irgendwelche Schwierigkeiten an der Grenze ergeben würden. Sie wird ja wohl nicht die Polizei und damit sämtliche Grenzposten informiert haben ?!

 

Überraschenderweise war die Ausreise an der russisch-ukrainischen Grenze einen Tag später dann völlig unproblematisch !!

Die Anspannung der letzten Woche (oder Wochen ?) wollte aber dennoch nicht so recht nachlassen, so dass wir die Weiterfahrt trotz bestem Wetter und schöner Landschaften nicht so richtig genießen konnten.

 

Um der Spannung auch wirklich kein Ende zu setzen, riss am zweiten Abend in der Ukraine der Kupplungszug bei der KTM, so dass wir die letzten Stunden des Tages mal wieder mit Reparaturmaßnahmen beschäftigt waren, denn den passenden KTM-Zug hatten wir natürlich nicht dabei.

 

Am darauffolgenden Morgen waren wir aber recht zuversichtlich, dass der improvisierte Zug doch wenigstens bis zur nächsten KTM-Werkstatt in Polen halten würde (bei der Schwager Markus schon einen neuen Kupplungszug hatte zurücklegen lassen).

Also packten wir alles zusammen, schwangen uns auf unsere Bikes und... Chechito sprang nicht an ! Unerklärlicherweise, denn bis gestern Abend hatte es keinerlei Probleme gegeben?!

 

Beim Startversuch schien es, dass die Batterie sich verabschiedet hatte, das Licht funktionierte aber einwandfrei.

Wir schoben ihn den kleinen Hügel der Kuhwiese hinauf, auf der wir unser Nachtlager aufgeschlagen hatten, und probierten es mit anschieben.

Erfolglos – die Wiese war zu holprig !

Also manövrierten wir ihn ein paar hundert Meter weiter zum nächsten Hügel mit einem Schotterweg. Das funktionierte dann besser, und der Motor lief !

Danach funktionierte der E-Starter wieder problemlos und seitdem bleibe ich von diesem Phänomen verschont. (Es gibt mittlerweile so einige Theorien zu diesem Problem, aber nichts 100%iges ... !?)

 

Am 26.06. reisten wir nach Polen ein – endlich wieder EU-Boden unter den Füßen ! Wenn das Schicksal nun noch immer sein Spiel mit uns treiben wollte, gab’s ab jetzt wenigstens wieder den ADAC !

 

Aber wie das dann immer so ist, ab dem Tag blieben wir pannenfrei !

Zumindest was die Motorräder anging !

Dafür tauchte mal wieder ein Geldproblem auf (eines von beiden war ja immer da):

In Freiburg wollten wir noch Freund Roger besuchen, reisten deshalb über Tschechien (während der eintägigen Tour durch dieses schöne Land begleitete uns nass-kaltes Wetter mit nicht enden wollendem Regen) nach Deutschland ein: es war der 30.06., 16.00 Uhr und am Abend spielte Deutschland gegen Argentinien.

 

Da wir an der Grenze vergessen hatten, Geld zu tauschen, war unsere erste Station Passau. Hier versuchten wir die von Sergey geliehenen Dollar in Euro umzutauschen (eine Kreditkarte besaßen wir ja wie gesagt nicht mehr).

An einem Freitag Nachmittag in Deutschland Dollar zu tauschen, gestaltete sich als fast so schwierig wie das Auslösen von Motorrädern aus dem russischen Zoll !

 

Wir fuhren zunächst zum Passauer Bahnhof, doch die dort erhoffte Reisebank existierte leider nicht. Anschließend fuhr Juni zur Postbank, diese wechselt aber grundsätzlich keine Fremdwährung. Das daraufhin aufgesuchte Holiday INN-Hotel hätte zwar gewechselt, aber NUR für Gäste !

 

Wir versuchten es schließlich in Kneipen, die brechend voll waren mit Fußball-Fans (die sich – im Gegensatz zu uns - gerade an den ersten Spielminuten des Deutschland-Argentiniens-Spiels erfreuten), aber auch hier wollte man unsere Dollar nicht.

In einem weiteren Hotel bekamen wir schließlich den Tip, es in der Innenstadt zu versuchen: dort sollte es ein asiatisches Restaurant geben, in welchem Dollar akzeptiert würden.

Kurz danach liefen wir also in voller Motorradmontur und unseren Tankrucksäcken durch die sommerlich warmen und von Fußball-Fans überfüllten Gassen der Passauer Innenstadt und fanden schließlich besagtes Restaurant: "Ja, wir haben mal Dollar angenommen, machen wir jetzt aber nicht mehr, weil das mit dem Umtauschkurs immer so kompliziert war!"

Na Prima, da waren sie also wieder, unsere 3 Probleme...!

 

Bedröppelt stehen wir also wieder draußen, und nun ??

Schliesslich steuerte ich auf ein gegenüberliegendes kleines, italienisches Restaurant zu: "Ich gehe jetzt mal zu meinen Freunden, den Italienern."

Als ich hier fragte, ob ich auch mit Dollar zahlen könnte, stellte mir der nette, junge Mann hinter der Theke mit seinem tyisch italienischen Akzent direkt eine Gegenfrage: "Hast Du Hunger oder Durst?"

Etwas verdutzt antwortete ich: "Durst!" Er: "Was willst Du trinken?" Ich: "Bier?!" Woraufhin auch Juni gleich dazu kam und ebenfalls eins bestellte.

Während er zapfte, kam sein Kollege dazu und hörte sich unser Dollar-Problem an. Und während wir unser Bier tranken, bekniete er alle anwesenden Leute, um die notwendigen 70 Euro zusammen zu kratzen, die er uns für unseren 100 Dollar-Schein geben wollte.

 

Letztendlich war es sein Chef, der ihm/uns das Geld gab. Die Biere "durften" wir nicht bezahlen und wir verließen dankbar das Restaurant, um wenigstens noch das Ende des Fußball-Spiels zu sehen.

 

Die ganze Geld-Such-Aktion dauerte ca. 2 Stunden, und es ist doch ein eigenartiges Gefühl, wenn man nach einen Jahr "nach Hause" zurückkehrt und die erste benötigte Hilfe von Italienern bekommt. Vielen Dank nochmal, Jungs !! Mit diesem Karma musstet Ihr Weltmeister werden !!

 

Einen Tag später standen wir im schönen Dreiländer-Eck bei Roger auf der Matte. Und wie das mit uns nun mal so ist: wenn es uns irgendwo gefällt, wird man uns so schnell auch nicht wieder los !

So hatte Roger gleich 5 Tage lang das Vergnügen uns sein Haus, seine Werkstatt (er hat eine eigene Motorradwerkstatt) und seine Gastfreundschaft zur Verfügung zu stellen.

Es waren sehr schöne Tage und ein guter Start sich ins deutsche Leben mit Aldi, Grillabenden und WM-Fieber wieder einzuleben.

 

Unser Heimweg führte uns vorbei an der Mosel. In Koblenz trafen wir einen Bekannten eines Freundes von Sergey, dem wir die geliehenen 2.000 Dollar übergaben, die mittlerweile hoffentlich wieder bei unserem Freund in Moskau angekommen sind.

Die letzte Nacht unserer Reise verbrachten wir auf einem Campingplatz kurz hinter Koblenz. Als wir dort in unseren Schlafsäcken lagen, wollten wir es immer noch nicht so recht glauben, dass unser Trip morgen wirklich zu Ende sein würde ! Waren wir nicht gerade erst los gefahren ?

 

Am folgenden Tag, den 06.07.06, hatte uns Hanstedt I wieder ! Markus (Jasmin musste leider noch arbeiten) empfing uns mit Sekt, ich liess meinen Tränen freien Lauf, und wir erzählten, erzählten, ....

Ein wenig später kam dann auch Jasmin – mit Überrsaschungsbesuch: Maria und Berni mit Tochter Anika ! Es war ein sehr schöner ersten Abend !!!!

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