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Back in the USSR
Motorrad-Verladung in Ulan Bator |
[Katrin:] Als hätte ich es in dem letzten Bericht schon geahnt: die Motorräder in Moskau aus dem Zoll zu bekommen, entwickelte sich zu einem einwöchigen Desaster, das nicht nur - wie üblich – Nerven und Geld kostete, sondern den Zeitdruck für die Rückreise zusätzlich erhöhte (in Alabama wartete man ja bereits auf Juni).
Am 09.06. bestiegen wir also den Zug in Ulan Bator, nachdem wir einen Tag zuvor sieben Stunden mit den Verlade-Formalitäten der Motorräder zugebracht hatten (zwei Stunden benötigte ein Zimmermann, um die pflichtgemäßen Boxen für die Motorräder zu bauen, in den restlichen fünf Stunden beschäftigte man uns mit zahlreichen Papieren, die unser Gepäck und die Motorräder genau dokumentierten).
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Die Zugfahrt selbst war dann zur Abwechslung mal recht entspannend, da wir das Glück hatten ab der russischen Grenze bis nach Moskau das Abteil für uns zu haben.
Die Nachbar-Abteile waren nahezu ausschließlich von Mongolen belegt, die die gesamte Fahrtzeit von 5 Tagen damit verbrachten, an sämtlichen Bahnhöfen ihre „chinesische Markenware“ zu verkaufen.
Mit Handtaschen, Wolldecken, T-Shirt und Jeans hatten sie ihre Abteile gefüllt, zitternd durch den Zoll gebracht (anscheinend sind es immer nur wir, die Probleme mit dem Zoll haben) und bei jedem Stopp, der russischen Bevölkerung präsentiert, die ihnen das Angebotene förmlich aus den Händen riss.
Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir am 13.06. pünktlich nach Fahrplan um 14.28 Uhr in Moskau an.
Wir riefen direkt Sergey an, einen Freund von Malcolm (der nette Neuseeländer, den wir letztes Jahr in der Mongolei kennen gelernt hatten), den wir schon vorher per e-mail kontaktiert hatten und der sich bereit erklärte, uns beim Auslösen der Motorräder zu helfen. Denn, wie wir ja noch vom letzten Jahr wissen: ohne Russisch-Kenntnisse ist es nahezu unmöglich, den Verwaltungsapparat dieses Landes zu bewältigen.
Da Sergey sich erst am Abend mit uns treffen konnte, zogen wir erstmal alleine los, gingen zu dem uns bekannten Einlagerungsgebäude, unternahmen ein paar klägliche Versuche, die richtigen Schalter und Ansprechpartner zu finden und gaben nach ca. einer Stunde auf.
Es war wohl doch besser, auf Sergey zu warten.
Sergey und Lena |
Abends gegen 22.30 Uhr kam dieser dann auch in Begleitung einer sehr netten Freundin Lena zu der Jugendherberge, in der wir wie schon im letzten Jahr untergekommen waren (und in der es uns endlich möglich war, die WM mitzuverfolgen). Lena und Sergey sprechen gutes Englisch, boten nochmals ihre Hilfe an, und wir verabredeten uns für den nächsten Tag.
Voller Hoffnung stiegen wir also am folgenden Tag (Mittwoch) um die Mittagszeit zu Lena ins Auto. Sie und Sergey ließen für einige Stunden extra ihre Arbeit ruhen, um uns durch die Stadt und zu den Zollbeamten zu kutschieren.
Sergey ist selbstständig und so was wie ein ADAC-Sicherheitstrainer, der aber täglich von morgens 8.00 Uhr bis abends 10.00 Uhr seine Schützlinge zu betreuen hat.
Wir fuhren zu drei verschiedenen Zollgebäuden in der Nähe des Hauptbahnhofs, aber keiner war für uns und unsere Motorräder zuständig !
Schließlich schickte man uns zu einem vierten, wo wir natürlich während der Mittagspause ankommen (sämtliche Zollbüros pausieren stets zwischen 13.00 und 14.00 Uhr). Also erstmal warten.
Um 14.00 Uhr betrat Lena dann das Büro. Eine gute viertel Stunde später kommt sie wieder heraus: heute geschah leider gar nichts mehr, da den Beamten für die Bearbeitung unseres Falls noch irgendwelche Papiere fehlten, die noch nicht angekommen seien (ist ja auch ein weiter Weg vom Zug bis zum Schreibtisch und wir waren ja auch erst gestern angekommen !?).
Nun ja, hilft ja nichts, lassen wir den Russen die Zeit, die sie brauchen und da wir uns fest vorgenommen hatten, dieses Mal bei allen eventuellen Schikanen ganz ruhig zu bleiben und uns nicht aufzuregen, verließen wir also das Gelände und Lena fährt uns „nach Hause“.
Am Abend – als Deutschland sich gerade mit Polen duellierte – kam noch einmal Sergey vorbei und brachte uns ein Handy. Wir hatten zwar Junis, das Ladegerät dafür lag aber in einer der Motorradboxen und diese bekanntlich beim Zoll (irgend jemand hatte vergessen, es mit in den Zug zu nehmen !!).
Der folgende Donnerstag, der 15.06.2006, war dann mal wieder der Tag aller Tage:
vormittags warteten wir auf Sergeys Anruf, gegen 12.30 Uhr meldete er sich (die besagten Papiere seinen beim Zollbüro angekommen), kam anschließend mit dem Motorrad vorbei, Juni und er flitzten los und die beiden kamen pünktlich zur Mittagspause an !
Immerhin konnte Sergey dem Personal noch erklären, was für ein Anliegen wir haben, denn er selbst musste direkt wieder zur Arbeit, so dass wir uns um 14.00 Uhr alleine in die Höhle des Löwen begaben.
Nach einer halben Stunde Wartezeit befasste man sich dann auch endlich mit uns und eine Dame, Nina, war sogar der englischen Sprache mächtig.
Nina erklärte, dass es ja sehr unüblich sei, dass der Sender der Motorräder und des Gepäcks auch gleichzeitig der Empfänger ist (bei der Verladung hatten wir der Einfachheit halber nur Juni als Besitzer unserer Sachen angegeben). Wir erklärten dann, dass Motorräder und Gepäck ja auch unser Eigentum und wir selbstverständlich Sender UND Empfänger waren.
Da das russische Gesetz so etwas aber angeblich überhaupt nicht akzeptiere, müssten wir 4 Euro Steuer pro Kilogramm des Gesamtgewichts unseres Hab und Guts bezahlen !
Da Nina eine endgültige Entscheidung darüber nicht selber treffen konnte - das letzte Wort hatte da natürlich der Chef, der aber gerade nicht im Haus war, aber sicher gleich wieder kommen würde - warteten wir also mal wieder.
Nach eineinhalb (!) Stunden gab man uns dann eine neue Adresse von einem weiteren Zollamt, welches wir nun aufsuchen und unseren Fall dort vorstellen sollten.
Auf Junis Vorschlag hin, ob Nina dort nicht erstmal anrufen und nachfragen könnte, ob wir dort dann auch wirklich richtig sein würden, schüttelte sie nur den Kopf - nein, dass sei nicht möglich, das sei gegen das Gesetz !?
Wenn wir aber aufgrund von Verständigungsproblemen Hilfe benötigen würden, könne jemand aus diesem Amt gerne Nina anrufen, damit sie uns dolmetscht !?????
(Die mysteriöse 4-Euro-Steuer wurden nicht mehr erwähnt !?????)
Da also Telefonate nur in einer Richtung möglich waren, setzten wir uns ins nächste, völlig überteuerte Taxi, fuhren erstmal zu Sergey und anschließend mit ihm und Lena zu dem „neuen“ Amt.
Das wir dort um 18.00 Uhr überhaupt noch eintreten durften, grenzte schon an ein Wunder, für uns zuständig war hier allerdings auch keiner !
Morgen war nun schon Freitag und die Hoffnungen, noch vor dem Wochenende Moskau verlassen zu können, schwanden.
Ein weiteres nicht unerhebliches Problem war unsere teure Unterkunft: eine Übernachtung in der Jugendherberge kostete uns 60 Euro (für Moskau – so klärte Sergey uns auf – sei das natürlich billig; Moskau ist also nichts für Südostasien-Verwöhnte) !
Sergey versprach, sich bis morgen genau zu informieren, welches der unzähligen Zollämter für uns nun wirklich das Richtige sei.
Erschöpft, genervt und ausgehungert positionieren wir uns am Ende dieses erfolglosen Tages mit Pizza-Baguettes im Aufenthaltsraum der Judendherbege vor dem Fernseher: England spielte gegen Paraguay, wenigstens konnte Juni heute noch - wenn auch bei sehr schlechter Bildqualität - mit seinen Landsleuten mitfiebern.
In der Halbzeit kramte ich in meiner Handtasche und bemerkte dabei, dass das Portemonaie fehlte. Ich lief ins Zimmer, stellte alles auf den Kopf – nichts ! Das Portemonaie blieb verschwunden.
Bis zum heutigen Tag ist es uns unerklärlich wie und wo ich es entweder verloren oder mir habe stehlen lassen können, aber weg ist nun mal weg und wir mussten unsere letzte Kreditkarte sperren lassen (bei dem Überfall damals im Zug in Ulan Bator hatten wir bereits sämtliche andere Karten sperren lassen).
Dank Schwager Markus, erfolgte die Sperrung auch sofort, so dass kein Schaden entstand.
Um eine sogenannte „emergency card“ zu beantragen, sollte ich – laut DKB - nur ein Fax an die DKB in Berlin senden, und in 2-3Tagen würde die Karte zugestellt werden.
Das Fax sendeten wir direkt, das Fußball-Spiel war inzwischen vorbei und die Stimmung mal wieder unterm Gefrierpunkt.
Am nächsten Tag holte Sergey uns gegen 13.00 Uhr ab. Er hatte inzwischen das vermeintlich „richtige“ Zollamt (das „Foreign Customs Office“) herausgefunden, zu dem wir drei auch gleich aufbrachen. Dieses lag natürlich am anderen Ende der Stadt und da Moskaus Entfernungen alles andere als klein sind, verbrachten wir die erste halbe Stunde in der U-Bahn (die einzelnen Bahnstationen liegen teilweise 4-5 Minuten auseinander), dann noch mal 10 Minuten im Taxi (einen Bus gab´s dort leider nicht).
Auf der Fahrt erzählten wir Sergey von unserem neuen Problem. Er zögerte nicht lange, lieh uns Geld und lud uns ein, bei sich zu wohnen !
Im Amt kommen wir ausnahmsweise mal direkt nach der Mittagspause an und wir scheinen tatsächlich endlich am richtigen Platz zu sein.
Wir werden von dem wahrscheinlich nettesten Beamten Russlands betreut, Nikolei, der Motorradfahrern anscheinend wohl gesonnen ist und der uns endlich klare Anweisungen geben konnte, was wir machen und welche Papiere wir zu besorgen haben, um die notwendigen Registrierungen und damit die Auslösung der Motorräder zu erlangen.
Zunächst mussten wir wieder zurück ins Zollamt am Bahnhof (Taxi, U-Bahn – ¾ Stunde Fahrt), um drei der notwendigen Dokumente zu holen (zwei davon hatten wir eigentlich schon, auch mit Stempel, aber nur die Kopien und die Kopien müssen den Originalstempel aufweisen!).
Die zwei Stempel gab es dann auch sofort, das dritte benötigte Papier, das für die Überprüfung unsere Sachen erstellt werden muss, konnten sie uns nicht ausstellen, da sie dazu ein Anforderungsschreiben von Niklolei benötigten !!
Da es mittlerweile schon wieder nach 17.00 Uhr war, war es sinnlos noch mal zurück zu fahren. Dieses Schreiben musste also bis Montag warten.
Wir quartierten uns also bei Sergey und seiner Freundin Masha in ihrer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung ein. Wir schliefen auf dem etwas schmalen Sofa in der Küche, den lauten Kühlschrank überlisteten wir mit unseren Ohrstöpseln und waren den beiden unendlich dankbar !!!
Sightseeing in Moskau |
Da Sergey auch am Wochenende arbeitet, verbrachten wir die folgenden zwei Tage überwiegend mit Masha, die am Samstag ein bisschen Touri-Guide spielte und uns Moskau zeigte.
Am Sonntag beschäftigten wir uns auf Wunsch Mashas mit Installationsmaßnahmen eines Wasserboilers, da Moskau seinen Bewohnern für 3 Wochen das heiße Wasser abgestellt hatte und wir nur eiskalt duschen konnten.
Die Aktion war leider wenig erfolgreich, da die Wand nicht trug und wir überwiegend mit Einkäufen für die notwendigen Teile beschäftigt waren.
Am Montagmorgen fahren wir allein zu Nikolei, da wir Sergey nicht ständig für uns beanspruchen wollten. Es schrieb uns einen Brief, in dem er Nikolei erklärte, dass wir besagtes Anforderungsschreiben benötigten.
Diesen Brief legten wir Nikolei vor die Nase, der sich dann auch gleich an seinen Rechner setzte und das Schreiben verfasste.
Mit diesem Papier schickte er uns zurück zum Bahnhof, wo irgendein Oberboss es abzeichnen musste. Danach stünde der Registrierung und Auslösung nichts mehr im Wege.
Wir fuhren also wieder los – 10 min. Taxi, 30 min. U-Bahn – gingen zu dem Bahnhofs-Zoll-Büro (latsch, latsch…) , wo wir natürlich falsch waren. Aber wo dieser Superboss seinen Sitz hat, konnte uns auch keiner so genau sagen!
In der nächsten Stunde suchten und fragten wir uns also wieder alleine durch und fanden besagten Mann dann auch, der sich so gut wie überhaupt nicht für uns und unsere Papiere interessierte, das Schreiben aber sofort unterzeichnete und es kaum abwarteten konnte, dass wir sein Büro wieder verließen.
Ungläubig, dass dieses Autogramm (welches nicht mal einen der sonst so überaus wichtigen Stempel als Beweis benötigte) nun ausreiche und uns unseren Motorrädern endlich näher bringen sollte, stiegen wir wieder in die U-Bahn (30 min), ins Taxi (10 min.)
und kamen gegen 16.00 Uhr erneut am „Foreigner Customs Office“ an.
Das ab sofort für uns zuständige Büro erklärte uns dann, dass unser heiliges unterschriebenes Zettelchen natürlich nicht ausreichte. Mit diesem, so übersetzt uns Lena über’s Telefon, sollten wir zurück zum Hbf und der dortige Zoll müsse dann eine Liste unseres gesamten Hab und Guts machen (die Unterschrift des Oberbosses war quasi nur eine Betätigung des Anforderungsschreibens).
O.K., also wieder Taxi, U-Bahn, latsch, latsch ….. um 17.30 Uhr standen wir wieder vor Nina, die uns erklärte, dass heute nichts mehr passieren würde, da um 18.00 Uhr ja schon Feierabend war. Wir bekamen für morgen 10.00 Uhr einen Termin.
Am Dienstag Vormittag begutachtete ein Beamter dann endlich unser Gepäck und die Motorräder, verfasste eine Liste, mit der wir – nun hoffentlich zum letzten Mal – erneut zum „Foreign Customs Office“ fuhren (U-Bahn, Taxi,…).
Olga hieß die Dame, die sich nun sämtlichen Papieren widmete, die wir ihr vorlegten (ich habe hier nicht alle benötigten Dokumente erwähnt, da der Bericht dann noch länger geworden wäre, insgesamt hatten wir, glaube ich, sieben - plus unsere Pässe und Fahrzeugpapiere).
Bis sie die Registrierungen fertig hatte, vergingen volle 3 Stunden (wobei sie stets mehrere Kunden gleichzeitig betreute; als wir vor einem Jahr mit den Motorräder nach Russland einreisten benötigten die Grenzbeamten gerade mal eine halbe Stunde) !
Um 17.00 Uhr überreichte sie uns schließlich die Dokumente einschließlich der Rechnung: 7.000 Rubel (200 Euro) sollten wir bezahlen, wobei nur 1.000 Rubel an den Zoll gingen (Lena dolmetschte uns wieder über’sTelefon), die restlichen 6.000 Rubel waren alleine für ihre Arbeit ! Klar, Für IHRE Arbeit ! Wer lief und fuhr denn seit einer Woche kreuz und quer durch Moskau und organisierte sämtliche Unterlagen ???
Der Wutausbruch, den wir ja dieses Mal unbedingt vermeiden wollten, kam nun doch und wieder waren wir auf Sergeys Hilfe angewiesen: wir riefen ihn an und fragten, ob er uns Geld leihen könnte (die „emergency card“ war immer noch nicht angekommen), was dieser auch sofort bejahte.
Olga sei bis 20.00 Uhr noch in ihrem Büro, wir sollten das Geld holen und es heute noch vorbei bringen.
In der U-Bahn wurde uns dann bewusst, dass wir alle notwendigen Unterlagen beisammen hatten, auch unsere Pässe hatte Olga uns zurückgegeben. Warum also noch mal hinfahren und bezahlen ?
Und nachdem wir noch mal eine Nacht drüber geschlafen hatten, entschieden wir uns, diese 7.000 Rubel NICHT zu bezahlen !
Stattdessen fuhren wir am nächsten Tag zu dem Zollbüro am Bahnhof und Juni überreichte Nina die Dokumente.
Nun kam plötzlich die 4-Euro-Steuer pro Kilogramm Gepäck wieder zur Sprache (??) und wieder konnte Nina nichts selber entscheiden und wieder mussten wir auf den Boss warten, der gerade nicht im Haus war, aber gleich kommen müsste ……….. - waren wir in einer Zeitschleife gefangen ?.
Dieses Mal warteten wir auf ihn keine eineinhalb, sondern nur eine halbe Stunde, doch an diesem Tag verlangte er dann doch, dass wir zahlten, und zwar 400 Euro ! (Wir sollten sozusagen unser eigenes Gepäck zurück kaufen.)
Alternativ bot man uns an, 250 Dollar zu zahlen – dann aber ohne Quittung !!!
Juni erklärte, dass er so viel nicht mehr habe, ob er nicht 150 Dollar zahlen könnte !?
Daraufhin guckte Nina ihn mit großen Augen an und sagte: „This is not a market !“. Juni: „Are you sure ?“
Sie verschwand, kam nach ein paar Minuten zurück und sagte „200 Dollar, aber darunter läuft nichts“.
Aha, also doch ein „market“ !
Wir zahlten, nahmen das letzte Papier für das Lager und verließen Nina, der das ganze sichtlich unangenehm war und die uns beglückwünschte, dass wir dieses Land verlassen können !
Wir gingen zum Lager, zahlten dort – nachdem wir die Mittagspause abgewartet hatten - die Lagerungsgebühren für die letzte Woche in Höhe von 5.800 Rubeln (165 Euro) und befreiten unsere Bikes !!
Problem Nummer 1 war also gelöst, Problem Nummer 2 hatte sich seit gestern Abend noch verschlimmert:
nachdem gestern (Dienstag) die „Emergency-Kreditkarte“ immer noch nicht angekommen war, rief ich nochmals bei der DKB an (zugegebenermaßen schlicht und einfach 1-2 Tage zu spät) und es stellte sich heraus, dass uns die Hotline letzten Donnerstag eine falsche Fax-Nummer gegeben hatte !
Das Fax musste nicht nach Berlin, sondern nach München gesendet werden. Die Karte würde mir dann aber - so wurde mir nochmals bestätigt - in zwei, allerhöchstens drei Tagen zugestellt werden.
Wir verfassten also ein neues Fax plus einer e-mail mit der dringlichen Bitte, unseren Fall sofort zu bearbeiten, denn das Fax mit meiner notwendigen Unterschrift konnten wir bzw. Masha erst am nächsten Tag absenden.
Am nächsten Morgen, also an dem Tag, wo wir endlich unsere Motorräder zurück bekamen, wurde ich aus München auch direkt angerufen: alles sei schon in die Wege geleitet. Nun sollte ich nur noch auf einen Anruf von Visa warten, um Ort und Zeit für die Übergabe zu vereinbaren.
Als sich nachmittags um 16.00 Uhr immer noch keiner von Visa gemeldet hatte, rief ich nochmals in München an. Ich sollte noch bis 22.00 Uhr warten, wenn sich dann immer noch keiner gemeldet haben würde, müsste ich wiederum in München anrufen und sie würden mich dann direkt mit Visa verbinden.
Natürlich rief niemand in den folgenden 6 Stunden an. Also strapazierte ich erneut unsere Handyrechnung, informierte München und die Dame am anderen Ende versuchte schließlich eine Verbindung mit Visa in Amerika (!) herzustellen – ungefähr 4 Minuten lang, ohne Erfolg. Da es für mich ja nun recht teuer werden würde (ach ??!), meinte sie schließlich, sie versuche es weiter und ruft mich dann zurück.
10 Minuten später hatte ich schließlich Amerika am Apparat, und der Herr dort erklärte mir auf Englisch (wie gut, dass in meinem Fall auch der Kunde Englisch spricht !), dass die Karte am Montag, also in 5 (!) Tagen in Moskau sein würde !
Noch bewahrte ich Ruhe, gab ihm zu verstehen, dass dies definitiv zu spät sei, da mein Visum abläuft und ich Samstag aus Moskau abreisen würde (das Abreisedatum musste übrigens bereits auf dem Fax unbedingt vermerkt werden, so dass Visa meine Abreise eigentlich schon hätte bekannt sein müssen).
Mal abgesehen davon, dass unser Visum tatsächlich am kommenden Donnerstag auslief, lief uns außerdem nun wirklich die Zeit davon.
Der amerikanische Herr schlug daraufhin einen ‚money transfer’ über Western Union vor, der am nächsten Tag – nach Überprüfung meines Kontos bei der DKB – vonstatten gehen sollte. Er würde sich morgen zwischen 9.00 und 12.00 Uhr wieder melden.
Am nächsten Tag um 16.00 Uhr (!!) klingelte dann auch „schon“ das Handy und eine Dame von Visa fing an über den Geldtransfer zu brabbeln. Viel sagen konnte sie allerdings nicht mehr, weil ich nun - selbst ganz verwundert über mein plötzlich recht gutes Englisch –meinem ganzen Ärger Luft machte und ihr zu verstehen gab, dass die Arbeit von Visa doch sehr zu wünschen übrig ließe und sie sich für den nächsten Kunden, doch vielleicht eine andere Arbeitsweise überlegen sollten.
Danach ging´s mir dann besser.
Diesen Wutausbruch konnte ich mir vor allem nur deswegen leisten, weil Sergey uns am Morgen bereits einen anderen Lösungsweg vorgeschlagen hatte.
Ein Freund von ihm wollte sich in den kommenden 2 Wochen in Deutschland ein Motorrad kaufen und sich dafür von ihm Geld leihen. Sergey schlug nun vor, uns wiederum das Geld für unsere Rückreise zu leihen, welches wir dann in Deutschland besagtem Freund für den Motorradkauf geben sollten und das so letztendlich wieder zu ihm zurückgebracht werden würde !
Wir waren überwältigt von dem Vertrauen, dass er uns entgegenbrachte, nahmen das Angebot an und starteten am nächsten Tag endlich in Richtung Heimat.
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Zu guter Letzt noch ein Tipp für alle, die ihr Motorrad mit der Transsibirischen Eisenbahn transportieren lassen möchten:
man sollte grundsätzlich auf dem Motorrad sitzend über die Grenze fahren, möglichst nicht sein Gefährt vom „Ausland“ per Zug nach Russland einführen.
Als wir im letzten Jahr die Motorräder in Moskau verladen und in Irkutsk aus dem Lager holten, gab es keine derartigen Probleme, das Abholen der Bikes verlief völlig unproblematisch .
Doch sobald die Reise wie z.B. bei uns in der Mongolei beginnt, treibt der Zoll sein Spiel mit einem und die Zeit, die man durch die Zugfahrt schneller zu sein glaubt, wird durch die anschließende einwöchige „Auslöse-Aktion“ mindestens kompensiert.
Weitere Bilder findest du hier: Back in the USSR









Gut angekommen???
Hallo Ihr beiden,
ich hoffe, dass Ihr gut angekommen seid und das es euch gut geht...
Denk an euch,
liebe Grüße von Eurer Michi aus Lüneburg
05. September 2006 - 13:29